Über das Holz hacken

18. September 2017


Holz hacken war eine meiner Lieblingstätigkeiten auf den Pfadfinderzeltlagern meiner Jugend. Es ist die Verbindung aus Natur, Handwerk und purer Brutalität, die hier ihre Besonderheit findet, was Holz hacken zu einer gleichzeitig stumpfen und geistig anspruchsvollen Tätigkeit macht. Auch ist das beherrschte Feuer auch eine der frühesten und wichtigsten Errungenschaften der Menschheit, dass unzählige Bücher, Lieder und Geschichten inspiriert hat, und die Erzeugung von Feuerholz eine Grundlage dessen. Es gibt nur wenige Dinge, die so urnatürlich wie das Holzhacken sind.

Holzhacken erfordert Sorgfalt. Der Hackklotz muss feststehen, der Hackplatz aufgeräumt und um Verletzungen zu vermeiden, für Andere klar erkennbar sein. Die Axt muss geschliffen, der Griff ohne Risse, der Axtkopf fest sein. Nur wenn der Axtkopf scharf ist und das zu spaltende Stück Holz sauber trifft, kommt man gut voran. Jede Bewegung muss präzise vonstattengehen. Ein stumpfer Axtkopf, unsaubere Bewegungen führen zu Ermüdung und damit Gefährdung der eigenen Person.

Holzhacken ist Brutalität. Mit purer Kraft angetrieben, schwingen mehrere Kilo Eisen durch die Luft, fressen sich unbarmherzig durch das Holz bis sich die kinetische Energie im geschunden Hackklotz entlädt. Allein der Bewegungsimpuls des Axtkopfes lässt das, was vom Holzstück übrig geblieben ist, durch die Luft wirbeln, bis es im Hackplatz wieder aufschlägt.

Der Grundablauf der Bewegung ist immer gleich, doch jedes mal etwas anders. Die Holzstücke sind so, wie die Natur sie entstehen lässt. Mit Verwachsungen, Astansätzen, Spalten. Den richtigen Winkel zu treffen ist dabei essentiell. Mit der Zeit entwickelt man ein Gefühl dafür, und jeder Schlag hat seinen eigenen Fingerabdruck.

Im Kleinen äußert sich der Konflikt zwischen Mensch und Natur. Das gewachsene Holz gegen das geschmiedete Metall des Axtkopfes. Der Erde entnommen, verarbeitet mit Holz zu einem Werkzeug, das Bäume spaltet und das Holz wieder dem Menschen nutzbar macht.

Holzhacken ist persönlich. Es gibt keine andere Person, die reinspielt. Was du daraus machst, liegt wortwörtlich in deiner Hand und man profitiert unmittelbar vom Ergebnis der eigenen Arbeit. Es ist eine Tätigkeit, die fast so alt ist, wie die Menschheit selber. Es stärkt die eigene Kraft, es trägt zur Versorgung bei, und erfordert doch auch Geschick und Sachverstand.

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