AVEC – What If We Never Forget

13. September 2017


AVEC kenne ich, wie wahrscheinlich die meisten, dank der Spotifys „Discover Weekly“-Playlist, die im Juni 2016 das Lied „Granny“ enthielt. Das leise „I don’t feel safe here anymore“ hatte sofort meine Aufmerksamkeit, und das Lied ist eines der besten, die mir je untergekommen sind. Zu dem Zeitpunkt war nur die EP (links auf dem Bild) veröffentlicht, die ich dann gleich gehört habe, und die anderen Lieder sind recht gut, jedoch klangen sie für mein Ohr recht ähnlich, als dann im September das Album (rechts auf dem Bild) kam, ging es mir damit ähnlich, doch faszinierte mich die Musik, gerade Waiting for, Darling und Granny, da diese etwas eigenes, unglaublich kunstvolles hatten. Schnell war mir klar, dass ich ein Konzert besuchen musste. Sollte ja, wenn man an der deutsch-österreichischen Grenze wohnt nicht so schwer sein, dachte ich mir.

Letztendlich war es dann im Juni 2017 in Stuttgart, dass ich die Gelegenheit hatte, AVEC live zu erleben und es war jeden gefahrenen Kilometer wert. AVEC ist die beste, mir bekannte Sängerin im Indie-Bereich, vielleicht noch in Konkurrenz zu Florence Welch, letztere habe ich aber leider noch nicht live erleben können. Eine unglaublich tiefe Stimme, und das bei grob geschätzten 1,60m, die es schafft, schon A Capella den ganzen Europaplatz einzunehmen, verbunden mit Liedern, die fehlerfrei arrangiert sind, und von denen jedes seinen eigenen Charakter hat, und das ist es auch, was meine Perspektive auf das Album massiv verändert hat.

Die akustischen, tiefen, nachdenklichen Lieder des Albums haben keine großen Extrema oder Auffälligkeiten, keine krassen Diskrepanzen, aber jedes einzelne Lied hat seinen eigenen, vollkommen passenden Sound, das den Charakter des Liedes voll und ganz wiedergibt. Das drängende „Waiting for“, das unsichere „Darling“, das fast schon entschuldigend klingende „Oh Boy“, das akzeptierende „Granny“, das gerade durch die dahinterstehende Geschichte tief berührend ist, und dessen Choräle die Trauer in diesem Lied unglaublich gut widerspiegeln. „Youth“ und „NFYT“ erzählen beide auf ihre eigene Art und Weise von dem Ende einer Beziehung, vielleicht an unterschiedlichen Stellen des Verarbeitens. Das düstere Dead ist sehr persönlich und mitnehmend, während Bones so auch ein „The XX“-Hit sein könnte und sich durch die elektronischen Effekte von den anderen Liedern abhebt. „Heartbeats“ erzählt direkt aus der Phase der Verliebtheit, die doch mit Unsicherheit verbunden ist, und zu meinen Lieblingsliedern des Albums gehört. Hold on atmet mit jeder Faser Verzweiflung, während das langsame „for me“ einen mitnimmt, in einen langen Monolog, den ich hier nicht vorwegnehmen will. „Shadows“ scheint mir, passend zum Namen, das düstere Gegenstück zu „Heartbeats“ zu sein.

What If We Never Forget ist ein großartiges Album, an das man sich erst gewöhnen muss, da es gänzlich ohne laute Beats, Effekte oder Kontraste auskommt. Hat man sich jedoch erst mal in diese Nische gebracht, entdeckt man ein Kleinod, das gearbeitet ist, wie ein feines Uhrwerk, filigran und präzise. Es ist meiner Meinung nach das beste Album 2016 aus dem deutschsprachigen Raum, und ich kann die Sängerin, die Band und das Album, nur ausdrücklich empfehlen. Wenn Ihr Gelegenheit habt, zu einem Konzert zu gehen, geht hin!

AVEC auf Facebook, Spotify, und Earcandy.

Tags: , , , ,